Macht das iPad die Augen meines Kindes schlechter?

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Original Artikel von Philip Cheng, B.Optom (Melb) Ocular Therapeutics (Australia),

Von Pascal Blaser M.Sc. und Dipl.-Ing. Jens Singer, adaptiert aus dem englischen mit freundlicher Genehmigung des Autors Philip Cheng aus Australien.

Dieser Artikel wurde auf Deutsch in der Zeitschrift EYECOM veröffentlicht. (05.2018) PDF www.eye-com.net

 

"Wir nehmen ihm sein iPad weg", sagt sein Vater, nachdem er erfahren hat, wie sehr sich die Augen seines Sohnes in einem Jahr verschlechtert haben.

iPad und Tablets. Wir alle haben eines. Viele Kinder benutzen es täglich. Manche Schulen verlangen sogar, dass Kinder eines für den Unterricht haben.

 

Philip Cheng

Viele Medien schreiben Berichte und produzieren Fernsehsendungen dazu wie schädlich diese neuen Geräte für das Auge sind, dass die Kinder davon immer kurzsichtiger oder davon gar blind werden. Woher kommt diese Information, was steckt wirklich dahinter und was ist wirklich wahr?

In dem Artikel versuchen wir etwas Licht in dieses Thema zu bringen.

Die Verbreitung der Kurzsichtigkeit im Kindesalter ist in den letzten zehn Jahren weltweit deutlich angestiegen. Das ursprüngliche iPad wurde 2010, vor etwa 8 Jahren, auf den Markt gebracht.

Ist es ein Zufall, oder hat das iPad Einfluss an der heute höheren Anzahl kurzsichtiger Kinder?

Es ist aber zu leicht, dem iPad und anderen ähnlichen elektronischen Geräten wie Smartphones und Tablets die Schuld allein zu geben.

Vor kurzem war eine sehr kurzsichtige, ältere Dame in meinem Geschäft. Ich fragte sie, ob Kurzsichtigkeit etwas sei, das in ihrer Familie öfter vorkommt, was sie verneinte. In ihrer Jugend gab es kein iPad. Es gab keine Computer und Fernseher aber sie sei schon immer eine begeisterte Leserin.

Das Sehen in der Nähe. Ob Lesen, Schreiben, Spielen auf einem Tablett, Nachhilfeunterricht, Erlernen eines Musikinstruments oder Computerspiele, diese Nahtätigkeiten erhöhen die Anforderungen an die Augen. Zu viel davon kann zu Augenbeschwerden führen. Besonders für Kinder, deren Augen dazu neigen, in sehr nahem Abstand nicht richtig zu fokussieren und nicht optimal binokular zu funktionieren, sind anfälliger für Symptome wie Kopfschmerzen und Augenbrennen. Einige dieser Probleme in der Nahfokussierung können, wenn sie nicht von einem Augenspezialisten erkannt und korrigiert werden, zu einer stetig zunehmenden Kurzsichtigkeit führen.

Gleichzeitig werden unscharfe Bilder auf den peripheren Bereichen des Augenhintergrunds, der Netzhaut abgebildet. Diese unscharfe Fokussierung in der peripheren Netzhaut wird als "hyperoper Defokus" bezeichnet.

Kurzsichtigkeit bedeutet meist ein zu lang gewachsenes Auge. Durch die unscharfe Abbildung „hyperoper Defocus“ kann die richtige Entwicklung des Augenwachstums im Kindes- und Jugendalter beeinträchtigt werden. In den letzten Jahren haben Forscher mittels Tierversuchen belegt, dass die Signale des „hyperopen Defokus“ eine Zunahme der Augenlänge fördern also eine Zunahme der Kurzsichtigkeit begünstigen.

Wo beschäftigen sich die meisten Menschen und Kinder mit diesen Nahtätigkeiten über einen längeren Zeitraum? Drinnen in Räumen.

Die Entwicklung der Kurzsichtigkeit ist eng mit einem zu langen Aufenthalt drinnen im Haus verbunden. Im Gegensatz zu den weiten Betrachtungsabständen im Freien, zwingt die engere Umgebung im Raum die Augen sich auf die relativ kurzen Entfernungen einzustellen.

Das Licht im Raum ist auch an einem bewölkten Tag viel dunkler als im Freien. Die Lichtintensität im Freien bei Sonnenschein ist etwa 200-mal höher als bei typischer Innenraumbeleuchtung. Studien zeigen, dass grundsätzlich Sonnenlichtmangel eine wichtige Rolle bei der Entstehung einer Kurzsichtigkeit des Auges hat. Weitere Schlussfolgerungen, dass gerade bei Kindern unter 7 Jahren der Aufenthalt im Freien zur Vermeidung der Entwicklung einer frühen Kurzsichtigkeit am effektivsten und wichtigsten ist, liegen vor.

Der genaue Mechanismus ist noch nicht klar, jedoch steht das sogenannte Dopamin derzeit mit Augenwachstum im Zusammenhang. Es wird angenommen, dass das Sonnenlicht diesen Neurotrasmitter im Gehirn stimuliert.

In China, wo die Häufigkeit der Kurzsichtigkeit im Kindesalter schon hoch ist und bei Studenten bei 80%-90% liegt, gibt es Schulen, die mit gläsernen "hellen Klassenzimmern" experimentieren. Da die Schüler die meiste Zeit im Klassenzimmer verbringen, werden die Lichtverhältnisse im Freien simuliert. Die Erwartung, durch die vermehrte Sonneneinstrahlung die Kurzsichtigkeits-Epidemie zu bekämpfen, ist hoch.

Bei uns sollten Eltern dafür sorgen, dass ihr Kind mehr Zeit im Freien verbringt. Fern-Sehaktivitäten wie beim Sport sind empfehlenswert.

Ergebnisse aus diversen Studien empfehlen allen Kindern jeden Tag mindestens 90 Minuten im Freien zu verbringen (UV-Schutz verwenden - Hut und Sonnenbrillen) und nach ca. 20 bis 30 Minuten konzentrierter Naharbeit eine kurze Pause einzulegen und in die Ferne zu blicken. Stellen Sie sicher, dass beim Lesen das Buch/Tablet nicht direkt vor der Nase gehalten wird. Halten Sie immer mindestens einen Ellbogenlänge Abstand zwischen dem Buch und den Augen ein. Gerade bei kleinen Kindern sieht man unter Konzentration eine zu nahe Verwendung der Bücher/Tablets.

Die Zunahme der Kurzsichtigen scheint mit all dem zu tun zu haben, was Kinder heutzutage tun. Der schon in immer jüngerem Alter zunehmende Bildungsdruck und die oft reduzierte Zeit im Freien sind womöglich ursächlich.

Die einfache Lösung nur das iPad zu verbieten löst nicht die Probleme!

Wir dürfen und wollen die iPads und Bücher den Kindern und Jugendlichen nicht wegnehmen, denn Bildung und das Erlernen und die Nutzung der digitalen Technologien sind unvermeidlich für die Zukunft unserer Kinder. Die Schule und dadurch die Bildung ist extrem wichtig und das Sehen in der Nähe unumgänglich. Ein Ausgleich der Zeit, welche die Kinder drinnen verbringen und ein angemessenes Verhalten beim Lesen und Studieren ist ein guter Weg, um zu verhindern, dass die Augen der Kinder schlechter werden.

Zeit im Freien ist besonders wichtig, der Umgang und die Nutzung von iPads/ Tablets bei Kindern soll vernünftig gehandhabt, bei Kleinkindern generell vermieden werden.

 

image by diego-passadori-641501-unsplash

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