Wundersame Brillengläser zur Myopiekontrolle

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2018 wurden auf der Erfindermesse in Genf Brillengläser, die das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit bei Kindern verlangsamen oder gar ganz stoppen, mit dem Hauptpreis ausgezeichnet.

Exklusives Interview mit den Entwicklern.

Text und Bilder von Anna Aznaour, Journalistin RP (Übersetzt von Pascal Blaser)

Der Anstieg der Kurzsichtigkeit hat in den letzten 4 Jahrzehnten gerade in Asien pandemische Verbreitung erreicht1. China ist das Land, welches von dieser Situation am stärksten betroffen ist. Die von Professor Li Ling vorgetragenen nationalen Daten mit den Prognosen für 2020 sind erschreckend: 700 Millionen kurzsichtige Chinesen werden bis dahin erwartet. Zwei Optometristen der Hong Kong Polytechnic University - Professor Carly Lam und Professor Chi-ho To - arbeiten seit zwanzig Jahren an der Entwicklung einer optischen Linse mit mehr als 400 Mikrolinsensegmenten. Durch die korrigierte Defokussierung der Abbildung an der Netzhautperipherie wird das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit im Kindesalter verlangsamt oder sogar ganz gestoppt. Eine klinische Studie belegt, dass diese Erfindung namens DIMS (Defocus Incorporated Multiple Segments) ein großer Erfolg ist.

Wie entstand die Idee Ihrer Forschungsarbeit?

Professor Carly Lam: Wir haben zunächst an der Theorie der retinalen Defokussierung gearbeitet. Anhand dieser neuen Abbildung haben wir neurale Signale in der Netzhaut kontrollieren können.

Ziel dieser Maßnahmen war es, das axiale Wachstum des Auges, welches zu einem weiteren Fortschreiten der Kurzsichtigkeit führt, zu steuern. Nachdem wir festgestellt hatten, dass diese Theorie es wirklich ermöglicht, die Entwicklung des Augapfels in die richtige Richtung zu steuern, begannen wir mit Tierversuchen und dann mit klinischen Studien an Kindern.

Wie entstand die Idee Ihrer Forschungsarbeit?

Professor Carly Lam: Wir haben zunächst an der Theorie der retinalen Defokussierung gearbeitet. Anhand dieser neuen Abbildung haben wir neurale Signale in der Netzhaut kontrollieren können.

Ziel dieser Maßnahmen war es, das axiale Wachstum des Auges, welches zu einem weiteren Fortschreiten der Kurzsichtigkeit führt, zu steuern. Nachdem wir festgestellt hatten, dass diese Theorie es wirklich ermöglicht, die Entwicklung des Augapfels in die richtige Richtung zu steuern, begannen wir mit Tierversuchen und dann mit klinischen Studien an Kindern.

Wie viele Kinder haben an Ihrer Studie teilgenommen und was waren Ihre Ergebnisse?

Professor Chi-ho To: Zwischen August 2014 und Juli 2017 nahmen rund 160 chinesische Kinder im Alter von 8 bis 13 Jahren an unserer Studie teil. Auch meine Tochter, die zu Beginn der Studie 8 Jahre alt war, war eine der Teilnehmer.

Alle unsere kleinen Probanden hatten eine Kurzsichtigkeit zwischen 1 und 5 Dioptrien, eine Hornhautverkrümmung oder eine Anisometropie von maximal 1,5 Dioptrien. Die Versuchsgruppe, die unser DIMS trug, bestand aus 79 Kindern, darunter meine Tochter. Die Kontrollgruppe bestand aus 81 Kindern, die traditionelle Brillengläser trugen.

Bis zum Ende der Studie war die Kurzsichtigkeit um 60 Prozent geringer bei den Kindern, welche die DIMS Gläser getragen hatten. Im Durchschnitt stieg die Kurzsichtigkeit um 0,38 Dioptrien, verglichen mit 0,93 Dioptrien in der Kontrollgruppe.

Außerdem war bei 21,5 Prozent der DIMS-Brillenträger die Entwicklung der Kurzsichtigkeit, wie auch bei meiner Tochter vollständig gestoppt. Bei den Kindern, die keine DIMS Gläser trugen, waren es nur 7,4 Prozent.

Was ist die Besonderheit bei Ihren Gläsern und ab wann werden sie vermarktet?

Professor Carly Lam: Das DIMS-Glas besteht aus einer zentralen optischen Zone, die von etwa 400 Mikrolinse-Segmenten umgeben ist. Um diese Segmente befindet sich die Korrektur, welche den natürlichen Brechungsfehler korrigiert. Unter dem Einfluss dieser Linsen passt sich der Augapfel dann permanent an die von der Netzhaut aufgenommenen Bilder in der Nähe und Ferne an und ermöglicht seinen Nutzern eine sehr klare Sicht. Was die Erscheinung dieser Linse betrifft, so unterscheidet sie sich durch ihre glatte Oberfläche überhaupt nicht von herkömmlichen Einstärkengläsern. Das japanische Unternehmen Hoya wird diese Gläser herstellen und plant sie in diesem Sommer (2018) in großem Umfang in China und Anfang 2019 in Japan, den USA und Europa zu vermarkten. Bei uns in Hongkong ist es bereits für die kurzsichtigen Kinder erhältlich2.

 

Welchen Rat würden Sie Eltern von kurzsichtigen Kindern geben?

Professor Chi-ho To: Ich würde ihnen sagen, dass sie ihre Kinder von den Bildschirmen befreien und mit ihnen einen Spaziergang unter freiem Himmel machen sollen. Einige Studien zeigen, dass täglich zwei Stunden an Tageslicht das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit verlangsamen kann. In Deutschland zum Beispiel raten unsere Kollegen den Eltern, den Einsatz von Bildschirmen für Sechsjährige auf eine Stunde pro Tag zu beschränken.

In der Schweiz ist die Nutzung von Computer während des Unterrichts im Grundschulalter schon fast alltäglich geworden. Ist dies für die Gesundheit der Augen von Kindern eine Gefahr?

Professor  Carly Lam: Es hängt alles von der anfänglichen Gesundheit des Auges jedes Kindes, der Dauer und Häufigkeit der Bildschirmarbeit und den individuellen Gegebenheiten seiner Entwicklung ab.

Um jedoch den objektiven Einfluss dieser Computergeräte auf die Entwicklung der Augen von Kindern zu wissen, wäre es notwendig, Längenmessungen des Augapfels durchzuführen.

Um langfristige Auswirkungen der DIMS-Gläser an Kindern zu messen, würden wir uns freuen mit Kollegen zusammen zu arbeiten. Interessant wäre zu beobachten, wie der Unterschied der Entwicklung der Myopie bei europäischen zu dem asiatischen DIMS-Brillenträger ist.

Was den Einfluss von Bildschirmen auf die Kurzsichtigkeit betrifft, wie stellen Sie sich eine solche Studie vor?

Professor  Chi-ho To: Eine komplette Augenprüfung sollte bei allen Kindern vor dem Schuleintritt durchgeführt und dann jährlich bis zum Ende ihrer Schulzeit wiederholt werden.

Die Kinder werden in zwei Gruppen geteilt: Eine Gruppe die hauptsächlich mit Hilfe von Bildschirmen und eine zweite Gruppe, die auf traditionelle Weise lernt.  Dann vergleicht man jedes Jahr die Ergebnisse dieser Kinder.

Mit einem Vergleich der Anzahl der kurzsichtigen Erwachsenen und der Entwicklung ihrer Augenlänge der beiden Gruppen wäre es möglich, den Einfluss der Bildschirme zu messen. Natürlich muss zusätzlich der Einfluss externer Faktoren wie die übermäßige Nutzung von Videospielen in der Freizeit usw. zu berücksichtig werden.

(1) Holden B, Fricke T, Wilson D, et Global Prevalence of Myopia and High Myopia and Temporal Trends from 2000 through 2050; Ophthalmology, 2016.
(2) Professor Carly Lam, Professor of the School of Optometry, PolyU, Tél. (852) 2766 6091, Mail: carly.lam@polyu.edu.hk
Professor Chi-ho To, Henry G. Leong Professor in Elderly Vision Health and Head of the School of Optometry, PolyU Tél. (852) 2766 6102, Mail: chi-ho.to@polyu.edu.hk

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